01. April 2026

Vor­steu­er­ab­zug be­reits im Zeit­punkt der Aus­übung des Um­sat­zes – trotz ver­spä­te­ter Rech­nung

Nach deut­schem Recht kann der Un­ter­neh­mer Vor­steu­er­be­trä­ge erst in dem Be­steue­rung­zeit­raum ab­zie­hen, in dem die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 15 Abs. 1 Nr. 1 des UStG ins­ge­samt vor­lie­gen. Zu die­sen Vor­aus­set­zun­gen ge­hört die Rech­nung mit ge­son­der­tem Um­satz­steu­er­aus­weis – Fal­len der Emp­fang der Leis­tung und der Emp­fang der Rech­nung zeit­lich aus­ein­an­der, ist der Vor­steu­er­ab­zug erst für den Be­steue­rungs­zeit­raum zu­läs­sig, in dem erst­ma­lig bei­de Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind. Doch das sieht das Ge­richt der Eu­ro­päi­schen Uni­on an­ders.

Die Ent­schei­dung er­ging in ei­nem pol­ni­schen Ver­fah­ren. Sie ist aber für das deut­sche Recht glei­cher­ma­ßen be­deu­tend.

Das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug un­ter­liegt den in der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie vor­ge­se­he­nen ma­te­ri­el­len und for­mel­len An­for­de­run­gen und Vor­aus­set­zun­gen. Bei den ma­te­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen han­delt es sich um die­je­ni­gen, die die ei­gent­li­che Grund­la­ge und den Um­fang die­ses Rechts re­geln. Die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen re­geln die Mo­da­li­tä­ten und die Kon­trol­le sei­ner Aus­übung so­wie das ord­nungs­ge­mä­ße Funk­tio­nie­ren des Mehr­wert­steu­er­sys­tems, wie etwa die Ver­pflich­tun­gen zu Auf­zeich­nun­gen, Rech­nungs­stel­lung und Steu­er­erklä­rung.

Das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug ent­steht un­ab­hän­gig vom Be­sitz ei­ner Rech­nung, der nur eine for­mel­le Vor­aus­set­zung für sei­ne Aus­übung dar­stellt. Die Aus­übung des Rechts ist je­doch grund­sätz­lich erst mög­lich, sob­lad der Steu­er­pflich­ti­ge im Be­sitz ei­ner Rech­nung ist.

Zu be­ach­ten ist, die Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie so­wie die Grund­sät­ze der Neu­tra­li­tät der MwSt. und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­ste­hen, nach der ein Steu­er­pflich­ti­ger sein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug in ei­ner Steu­er­erklä­rung für den Zeit­raum, in dem er die ma­te­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­übung des Ab­zugs­rechts er­füllt hat, nicht aus­üben kann, wenn er in die­sem Zeit­raum die ent­spre­chen­de Rech­nung nicht er­hal­ten hat und zwar auch dann nicht, wenn er die Rech­nung vor Ab­ga­be der Steu­er­erklä­rung er­hal­ten hat.

Es bleibt zu hof­fen, dass die Fi­nanz­ver­wal­tung zeit­nah Stel­lung be­zieht. Denn mit der Ent­schei­dung sind auch prak­ti­sche Pro­ble­me ver­bun­den. So ist der Vor­steu­er­ab­zug für den Be­steue­rungs­zeit­raum gel­tend zu ma­chen, in dem die Be­rech­ti­gung ent­stan­den ist. Für ei­nen spä­te­ren Be­steu­e­re­ungs­zeit­raum kann die Vor­steu­er nicht ab­ge­zo­gen wer­den.